Zum 30. Todestag von Josef Hindels

“Denker des Sozialismus, Kämpfer gegen Faschismus und Krieg”

Diese Worte findet man am Grabstein Josef Hindels am Wiener Zentralfriedhof. Sie sind Zusammenfassung von Hindels politischem Leben und Auftrag an nachfolgende Generationen zugleich.

Prof. Josef Hindels hat sein gesamtes Leben dem Widerstand gegen Rechtsextremismus und Faschismus, sowie der politischen Aufklärungsarbeit verschrieben. Als junger Aktivist im Kampf gegen den Austrofaschismus mehrmals verhaftet und ab 1937 im schwedischen Exil lernte Hindels schon früh, dass Massenarbeitslosigkeit und Nationalismus als Folge der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zwangsläufig zu Faschismus und Kriegstreiberei führen. Bereits im Widerstand machte Hindels durch ideologische Fundiertheit und eine unverwechselbare klare Rhetorik auf sich aufmerksam und wurde nicht selten mit Otto Bauer, dem führenden Theoretiker des Austromarxismus, verglichen. Weggefährten meinen später, Hindels hätte in einem anderen Verlauf der Geschichte durchaus auch die Nachfolge Bauers antreten können.

Nach dem 2. Weltkrieg kehrte Hindels unter mühsamen Bedingungen und der Intervention ua. von Bruno Kreisky unter dem Decknamen “Karl Popper” nach Österreich zurück. Dort fand er, verglichen mit der 1. Republik, grundlegend andere Bedingungen vor. Karl Renner, damals noch Anführer des rechten Flügels der Sozialdemokratischen Partei hat nunmehr die Parteiführung übernommen. Der Austromarxismus Otto Bauers und Max Adlers ist, wohl nicht zuletzt auch durch den Tod dieser beiden Protagonisten und überhaupt dem Tod unzähliger weiterer SDAP-Linken, weitgehend Parteigeschichte. Die Zusammenarbeit mit der Österreichischen Volkspartei zur Wiederrichtung der Republk war nicht nur eine Vorrübergehende. Obwohl etliche Funktionäre der vormals Christlich Sozialen Partei, wie etwa die ersten drei Bundeskanzler der 2. Republik Josef Figl, Julius Raab und Alfons Gorbach, wenige Jahre zuvor noch hochrangige Funktionäre im Austrofaschismus waren, kam es zu einer weitgehenden Aussöhnung der beiden diametral gegenüberstehenden Lager. So wurde Hindels Zeit seines Lebens ein politisches Mandat, etwa im Nationalrat verwehrt und Hindels, der das Parlament dennoch immer als das wichtigste Kampffeld der Sozialdemokratie betrachtete, fand seine Rolle in der außerparlamentarischen Arbeit.

Für die kleinste soziale Veränderung kämpfen, aber niemals das große Ziel aus den Augen verlieren

Gemeinsam mit Peter Strasser, der 1946 erster Vorsitzender der Sozialistischen Jugend nach dem Krieg wurde, und anderen GenossInnen baute er unsere Jugendorganisation als größte Bewegung für alle Lehrlinge, jungen ArbeiterInnen und Angestellten, neu auf. Hindels war sich im Sinne der sozialistischen Bildung nie zu schade, auch die kleinste SPÖ-Sektion oder SJ-Gruppe in ganz Österreich zu besuchen und ganz nach Otto Bauer der “revolutionären Kleinarbeit” im besten Sinn nachzugehen.

In diversen Funktionen in der Gewerkschaft der Privatangestellten und später als Publizist für den Österreichischen Gewerkschaftsbund konnte Hindels die Tagespolitik und vor allem das Bildungsangebot der Gewerkschaften über viele Jahre maßgeblich beeinflussen.

Hindels war Autor einer Reihe von Schulungsmaterialien, die bis heute eine wichtige Grundlage auch für die Bildungsarbeit der Sozialistischen Jugend sind, sich aber auch mit der Geschichte und den Kämpfen unserer Bewegung und dem politischen Gegner intensiv auseinandersetzen.

An dieser Stelle möchten wir eine Buchempfehlung abgeben:

“Österreichs Gewerkschaften im Widerstand 1934-1945” ist ein herausragendes Werk mit einer breiten Darstellung und Analyse des Befreiungskampfes im Austrofaschismus, sowie im Nationalsozialismus nicht nur, aber insbesondere aus gewerkschaftlicher Perspektive.

Ein erbitterter Mahner als das linke Gewissen der SPÖ

Für Josef Hindels war es selbstverständlich, dass Sozialismus und Demokratie einander bedingen. Er war der Überzeugung, dass man einer neuen Gesellschaftsordnung in allererster Linie durch das Argumentieren, das schrittweise Überzeugen der Bevölkerung näherkommt und er hat alle Ausprägungen des Stalinismus, ob in der Sowjetunion oder in organisierter Form in Österreich, abgelehnt.

Innerparteilich hat er jede sich bietende Bühne genutzt, um nicht nur die Basis, sondern auch die FunktionärInnen von diesem gemeinsamen Kampf zu überzeugen und vor den Gefahren einer Wiedererstarkenden Rechten zu warnen. Er hat sich nach all seinen Erlebnissen klar gegen “die schleichende Verbürgerlichung, gegen Entpolitisierung, Opportunismus und die schrittweise Aufgabe sozialistischer Grundpositionen Stellung genommen”. (Ernst Nedwed Anm.) Im Bund Sozialistischer Freiheitskämpfer widmete er sich, insbesondere mit seiner langjährigen Freundin und Vorsitzenden des Bundes, Rosa Jochmann, dem Gedenken und der Interessensvertretung der Opfer der beiden Faschismen in Österreich und nahm den Kampf gegen Neofaschismus und Antisemitismus mit aller Kraft auf. Gen. Hindels und Gin. Jochmann gehörten zu den Wenigen gewichtigen Stimmen in der Partei, die sich gegen die Gründung des VdU stark gemacht und wegen ihrer deutschnationalen, rassistischen und antisemitischen Prägung massiv gegen die FPÖ aufgetreten sind. Beide sind bis zum Schluss unermüdlich bei öffentlichen Kundgebungen und Demonstrationen lautstark gegen den ganzen Hass, die Fremdenfeindlichkeit und die Gewalt der Rechtsextremen aufgetreten.

Am 10. Februar hörte das für den Sozialismus und den Freiheitskampf so starke Herz nach längerer Krankheit endgültig zu schlagen auf.

Er hat immer gemeint, dass Otto Bauers Botschaften jung geblieben sind. Heute, 30 Jahre nach seinem Tod, stellen wir umso mehr fest, dass Josef Hindels es ist, der für uns jung geblieben ist.

Seine Grundsatztreue und sein Einsatz für eine bessere Welt sind bis heute ein gewaltiges politisches Vermächtnis und bleiben unvergessen!